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Grundlagen zur astrologischen Persönlichkeitsanalyse und Synthese

Ludwig Rudolph, HH, 1/1967, S. 2-5.

Betrachten wir im kosmischen Zusammenhang das Leben und die Entwicklung des Menschen auf der Erde im Sinne Alfred Wittes, dann kann man folgendes Grundschema aufstellen.

1. Die Kardinalpunkte

Jeder Mensch wird durch seine Geburt in die auf der Erde herrschenden allgemeinen Lebensbedingungen hineingestellt. Diese allgemeinen Lebensbedingungen auf der Erde sind nach Ort und Zeit bestimmt durch den Kreislauf des Jahres. Seinen kosmischen Ausdruck erhält der Kreislauf des Jahres durch den Lauf der Erde um die Sonne im Winkel E = Schiefe der Ekliptik. Vier Stationen,  die vier Wendepunkte der Erdbahn der scheinbaren Sonnenbahn Widder, Krebs, Waage und Steinbock, sind dabei von besonderer Bedeutung:

  • Das Frühlings- und Herbstäquinoktium
  • Das Sommer- und Wintersolstitium. 

Das Kreuz dieser vier Wendepunkte bestimmt für jeden einzelnen Menschen und für die Gesamtheit der Menschen auf der Erde das Grundschema für die allgemeinen Lebensbedingungen.

Für die astrologische Deutung heißt das nach Witte: In dieser Achse der vier Wendepunkte erkennt man im Horoskop die Beziehungen des einzelnen Menschen zur Gesamtheit der Menschen, oder zu einer Vielzahl von ihnen.

Die Begegnungen mit Menschen, die man nicht oder nur flüchtig kennt, solche auf der Straße oder auf öffentlichen Plätzen, in Gebäuden die der Allgemeinheit dienen, Ansammlungen, Versammlungen, gehören z.B. dazu.

2. Die Sonne

Die Sonne ist der Körper im Zentrum des Sonnensystems. (Der Begriff Körper steht hier für materielle Manifestation in Bewegung. Bewegung für Leben und Zeit.) Die Erde ist ein Körper, der mit vielen anderen um den Zentralkörper Sonne kreist.

Der Mond ist ein Körper, der um die Erde kreiset wie die Erde um die Sonne. Seine Bahn ist um 5°07 zur Erdbahn geneigt. Die Schnittpunkte der Mondbahn mit der Erdbahn sind der aufsteigende und absteigende Mondknoten. Bedeutung: Anknüpfung, Anknüpfung, Verbindungen.

Der Mensch ist ein auf der Erde geborener Körper, welcher mit der Erde um die Sonne kreist. Solange er lebt, ist der Mensch an diese Reise, täglich einmal um die Achse der Erde und jährlich einmal um die Sonne, gebunden.

Sonne und Erde sind immer durch eine Gerade, den Leitstrahl Sonne–Erde, verbunden. Wenn man im Horoskop von der Sonne spricht, betrachtet man die Achse Sonne–Erde.
Für die astrologische Deutung folgert Alfred Witte aus diesen Gegebenheiten:

Die Sonne ist im Horoskop gemeinhin der Körper, das Körperliche. Sie zeigt die körperlichen Beziehungen des Geborenen zu anderen. Sie zeigt auch den Tag im Jahr.
Ein Hamburger Psychologe präzisierte:  "Die Sonne ist im allgemeinen der vom Geist beseelte, lebendige Körper. "

Infolge der überragenden biologischen Wirksamkeit der Sonne als Zentrum ihres Systems kommt ihr auch im Horoskop größte Bedeutung zu. Die Sonnengleichungen – wie sie nur die Hamburger Schule kennt – beweisen das. Die Sonne ist daher einer von den persönlichen Punkten im Horoskop, der die Persönlichkeit in starkem Maße herausstellt.

Der Stand der Sonne im Horoskop ist immer die Opposition zur Stellung der Erde in ihrer Bahn um die Sonne. Von der Erde gesehen scheint die Sonne dort zu stehen.
Es bewegt sich nicht die Sonne, sondern die Erde in ihrer Bahn und der Ort der Erde mit dem Menschen um die Rotationsachse der Erde.

Die Erde und der Mensch stehen unter dem Strahl der Sonne. Drei Körper stehen in Beziehung zueinander. Die Sonne zeigt aber nur den Tag, an dem viele Menschen geboren werden.

Um den einen vom anderen in seiner seelisch–persönlichen Eigenheit unterscheiden zu können, bedarf es der Stunde und Minute des Tages und Ortes für eine bestimmte Geburt.

3. Der Meridian

Der Geburtsmeridian als Faktor der persönlich–seelischen Beziehungen und Einstellungen. 

Der Geburtsmeridian ist der für den Augenblick der Geburt am Ort festgehaltenen kulminierende Punkt, – das Lot des Ortes auf den Himmelsäquator – wie Witte sagt.
Die Alten nannten diesen für einen bestimmten Augenblick festgehaltenen Punkt "Das Medium Coeli". Ein sensitiver, ein empfindlicher Punkt bestimmt somit astrologisch gesehen die Persönlichkeit. Dieser Geburtsmeridian unterscheidet die Geborenen eines Tages voneinander nach seelischer Anlage und zeitlichem Erlebnis. Ihm kommt also für die Beurteilung der Persönlichkeit die größte Bedeutung zu. Bei der Unterscheidung von Zwillingen und kosmischen Zwillingen kann man auf die genaue Lage der Geburtsmeridiane nicht verzichten.

4. Der Aszendent. 

Mit dem Lot des Geburtsortes auf den Himmelsäquator im Geburtsaugenblick ist ein anderer persönlicher Punkt fest verbunden, der Aufgangspunkt oder Aszendent.  Der Aszendent  ist nach Witte im Augenblick der Geburt das Lot des Ortes auf die Ekliptik + 90° dort schneiden sich Horizont und Ekliptik. Diese Formulierung hatte für Witte sinnbildliche Bedeutung und stellt nicht eine Berechnungsformel dar. Es geht beide Male um den im Augenblick am Ort geborenen Menschen, der als selbständiger Körper an diesem Ort des Körpers Erde das Licht des Zentralkörpers Sonne erblickt und zwar:

  • durch das Lot auf den Himmelsäquator als die eigenständige Person selbst
  • durch das Lot auf die Ekliptik + 90° als der Körper, welcher nur durch andere Körper (Sonne und Mond – nämlich die seiner Eltern – auf der Erde geboren werden kann; dabei hat die Mutter die größte Bedeutung, denn in ihrem Körper entwickelt sich das Kind und sie stößt es zum eigenständigen Leben ab.

Aus diesen Gründen ist für Witte: 

  • Meridian die Person selbst, die Minute, die Zeit in der die Person kam (das Lot des Augenblicks auf den Äquator, übertragen auf die Ekliptik.
  • Aszendent die Umwelt der Person, die anderen Menschen, denen sie enger verbunden ist, der Ort an dem sie von anderen kam, von denen sie auch persönliche Anlagen erbte. Aber auch der Andere, der als Partner kommt als das DU, durch das erst wieder andere -die Kinder- in die Welt kommen können. (Der Schnittpunkt des Horizontes mit der Ekliptik.) Im Horizontkreis ist der Ort Zenit. 

5. Der Mond 

Der Geborene wandert an seinem Ort täglich einmal um die Erdachse und im Jahr einmal um die Sonne. Wie der Ort um die Erdachse, so wandert der Mond  um die Erde. 

Deshalb ist der Mond für Witte der Vertreter aller Orte der Erde und die Masse der Menschen, welche die Erde bevölkert, also das Volk, schlechthin.
Weil der Mond täglich im Durchschnitt 12° im Tierkreis zurücklegt, zeigt er die Stunde des Tages gegenüber der Sonne, die den Tag – und gegenüber dem Meridian – der die Minute zeigt.

Da der Mond reflektiertes Sonnenlicht strahlt, gilt er als negativ und Sonne als positiv, oder Mond weiblich, Sonne männlich, Mond Nacht und Sonne Tag. Der Mond vollendet seinen Umlauf in etwa 28 Tagen. Dabei zeigt er 4 Lichtgestalten (Phasen): Neumond, erstes Viertel, Vollmond, letztes Viertel. Diese 4 Wendepunkte sind gegeben durch die Stellung des Mondes zu Erde und Sonne.

  • Steht der Mond zwischen Erde und Sonne, ist Neumond. Die Sonne bescheint die der Erde abgewandte Seite des Mondes. 
  • Voll erscheint der Mond, wenn die Erde zwischen Mond und Sonne steht.
  • Steht die Erde genau in der Geraden Sonne–Mond, findet eine Mondfinsternis statt und steht der Mond [am Mondknoten] genau in der Geraden zwischen Erde und Sonne, haben wir eine Sonnenfinsternis.
  • Hat der Mond vom Neumond zum Vollmond den halben Weg zurückgelegt, zeigt sich der zunehmende Halbmond und hat er vom Vollmond zum Neumond den halben Weg zurückgelegt, zeigt er den abnehmenden Halbmond.

Wir haben hier die 4 Wendepunkte, welche der Mond bei seinem Umlauf um die Erde zeigt (die Monats-Zeiten). Die 4 Wendepunkte, welche die Erde bei ihrem Umlauf um die Sonne zeigt, behandelten wir eingangs (die Jahreszeiten). Die vier Tageszeiten ergeben sich aus dem Umlauf des Ortes um die Erdachse. Steht der Ort zwischen Sonne und Erdmitte ist Mittag. – Steht die Erdmitte zwischen Ort und Sonne ist Mitternacht usw. Jeder Erdenbürger lebt unter diesen dreimal 4 Wendepunkten.

Deshalb sind: die Solstitien und Äquinoktien, die Sonne, der Meridian, der Aszendent, der Mond und auch noch der Mondknoten, Orte im Horoskop, die für jeden Erdenbürger von persönlicher Bedeutung sind u.zw. in ihren genannten Deutungsbezüglichkeiten. Schon die alleinige Untersuchung dieser 6 bedeutsamen Faktoren als Strukturachsen im Horoskop beweisen das.

Sie beweisen das umso stärker, je mehr diese 6 Faktoren in den einzelnen dieser 6 Strukturachsen anfallen und je exakter die Strukturen sind. Man kann daher mit diesen 6 Faktoren zu einer Persönlichkeits-Analyse kommen, wenn man mit der Gradscheibe die Achsen einzeln untersucht, die zusammengehörigen Faktoren herausschreibt, ihre Werte nach Summen oder Halbsummen dazuschreibt, um die Exaktheiten unterscheiden zu können und dann an Hand des Regelwerkes besonders auf die an der Struktur beteiligten 6 persönlichen Faktoren ausgliedern. Diese besonderen Deutungen schreibt man heraus. Sie geben ein Gerippe, das bereits viele Charakterzüge, Anlagen, Verhaltensweisen und Erlebnistendenzen zeigt, sowie auf Zeiten hinweist, in denen sie besonders hervortreten. 

Es gehört dann zur Synthese, diese Fragmente zu einem abgerundeten Bild zu ordnen.