Alfred Witte / Witte Signatur

Alfred Witte - Begründer der modernen Astrologie (Hamburger Schule)
von Ludwig Rudolph (Witte-Verlag), aufbereitet und ergänzt von Michael Feist.

Der Astrologe Alfred Witte wurde am 2. März 1878 um 21:12 LMT (20:32 GMT) in Hamburg als einziger Sohn des Zimmermanns Peter Adolf Witte (1846) geboren. Alfred Witte hatte zwei jüngere Schwestern, Ida (1880) und Paula (1886). Seine Mutter Metta (1853), die Alfred wesensmäßig sehr nahe stand, war der Halt der Familie. Sie erzog die Kinder allein, denn der Vater verließ die Familie. Ihr Sohn Alfred dankte seiner Mutter, in dem er sie Zeit ihres Lebens von finanziellen Sorgen befreite. Er hatte mit ihrer Hilfe unter schweren Umständen sein Studium begonnen und wurde zum Ernährer der Familie. Alfred Witte absolvierte das Technikum und schlug die mittlere Beamtenlaufbahn beim Vermessungsamt Hamburg ein.


Alfred Witte war technisch außerordentlich begabt. Er war ein fleißiger, gewissenhafter und treuer Beamter des Hamburger Staats. Seine Persönlichkeit kann als bescheiden, ruhig, schlicht und einfach beschrieben werden, die von spontanen, oft zündenden, drastischen Einfällen begleitet war.

Es ist leider nicht genau bekannt wie Alfred Witte zur Astrologie kam. In den Jahren 1909-1911 hielt Karl Brandler-Pracht in Hamburg astrologische Vorträge und Kurse. Um das Jahr 1911 nahm auch Alfred Witte an diesen Einführungskursen teil. Als Vermessungsingenieur war Alfred Witte mit trigonometrischen Berechnungen sehr vertraut und machte sich schon derzeit seine eigenen Gedanken über die in der herkömmlichen Astrologie üblichen Direktionen und Häuser, sowie über die Bewegungsverhältnisse der Erde und Planeten — und die damit verbundenen magnetischen, bzw. elektromagnetischen Wirkungsfelder. Wer sich näher mit Wittes Arbeiten beschäftigt hat, wird Parallelen zu den Auffassungen des Hamburger Astrologen Albert Kniepf (1853-1924) feststellen. Albert Kniepf hatte in den 1890er Jahren die ernsthafte Astrologie in Deutschland wiederbelebt und setzte sich für die Modernisierung der Astrologie im Sinne einer modernen Wissenschaft ein. Alfred Witte und Albert Kniepf waren nicht nur miteinander bekannt, sondern sie lebten sogar in unmittelbarer Nachbarschaft nur zwei Straßen voneinander entfernt. Es kann daher mit großer Wahrscheinlichkeit vermutet werden, dass Alfred Wittes von dem Wissen des 25 Jahre älteren Albert Kniepf astrologisch profitierte.

1913 schrieb Witte in der Fachzeitschrift "Astrologische Rundschau" seine erste öffentliche astrologische Arbeit: "Betrachtungen über Farbe, Zahl und Ton". Alfred Witte entwickelte in dieser Arbeit eine Differenzierung von Farbe, Zahl und Ton um die Begriffe Involution (Zusammenwickeln) und Evolution (Auswickeln). Es geht dabei um das Leben, die Bewegung, die lockere Materie (Feinstofflichkeit), um das (scheinbare) Nichts und das (greifbare) Etwas. So setzt er die 1 als Materie, die 0 als das Nichts. Er schreibt die Involution als Zahlenbegriff 010 und die Evolution 101.

Als beim Ausbruch des ersten Weltkrieges 1914 Karl Brandler-Pracht in einem Vortrag die Kriegsdauer mit etwa 4 Monaten mutmaßte, soll nach Aussage von W. Fleck Alfred Witte Brandler-Pracht zugerufen haben: "Sie meinen wohl 4 Jahre?". Tatsächlich endete der Krieg erst vier Jahre später.

Der erste Weltkrieg führe Alfred Witte als Artillerist nach Russland. Die Ereignisse des Krieges, gewissenhaft verglichen mit den Konstellationen der laufenden Gestirne und mit den Regeln der herkömmlichen Mundan-Astrologie, wirkten außerordentlich befruchtend auf die Entwicklung seiner astrologischen Erkenntnisse. Diese wurden zur Grundlage seiner revolutionierenden Umgestaltung der herkömmlichen astrologischen Technik in Bezug auf die Lehre von den Aspekten und Häusern.

Nach seiner Rückkehr aus dem Kriegsdienst und nachdem Witte genesen war von einem dort erworbenen schweren Gelenkrheumatismus, begann für Alfred Witte eine fruchtbare Periode astrologischer Arbeit.

Gemeindehaus Stiftstraße (HH St. Georg) Am 31. Juli 1919 hielt Alfred Wittes im Gemeindehaus Stiftstraße (HH St. Georg) seinen ersten öffentlichen Vortrag über das "Erd-Horoskop" im Kepler-Zirkel. Witte, der kein Mitglied des Kepler-Zirkels war, wurde zum Vortrag erstmalig von Friedrich Sieggrün in die Gruppe eingeladen. Nach dem Vortrag lernte Alfred Witte seinen späteren Mitarbeiter und Verleger Ludwig Rudolph im Kepler-Zirkel kennen.

Der Kepler-Zirkel (1915-1925) war eine Studiengruppe der traditionellen Astrologie, die von Friedrich Sieggrün am 14. März 1915 gegründet wurde. Im Kepler-Zirkel unterrichtete Sieggrün nach den Lehren von Karl Brandler-Pracht. An der Gründung beteiligt war Ludwig Rudolph, der als Astrologieschüler die Position des Schriftführers übernahm und zu Sieggrüns rechter Hand wurde. Am Tag nach Wittes erstem Vortrag musste Ludwig Rudolph aus beruflichen Gründen für einige Jahre Hamburg verlassen. Rudolph blieb jedoch mit Friedrich Sieggrün in Verbindung und ließ sich bei seinen Besuchen in Hamburg und auf den Astrologen-Kongressen stets auf den neuesten Stand bringen.
In den Jahren 1919-1925 folgten Wittes Vorträge und die Veröffentlichung einer Serie grundlegender Arbeiten in den Zeitschriften "Astrologische Rundschau" und "Astrologische Blätter".

Alfred Wittes Cupido ArtikelIm Juli 1923 veröffentlichte Alfred Witte einen Artikel über die astrologische Berechnung seines ersten hypothetischen Planeten unter dem Titel "Der erste Transneptunplanet Cupido?". Er begann den Artikel mit einer ungewöhnlichen aber zwingenden Hypothese: Wenn Astronomen aufgrund von Bahnstörungen die Bahn des unbekannten Planeten Neptun mathematisch berechnen können, dann müssten – sofern die astrologische Theorie stimmt – Astrologen in ähnlicher Weise in der Lage sein, die Position eines noch unbekannten Planeten in einem Horoskop astrologisch festzustellen. Ausganspunkt für Wittes Suche nach unbekannten Planeten war das Zeichen Krebs, denn dort hatte der Astronom Urbain Le Verrier (†1877) einen noch unbekannten Planeten vermutet, den er "Pluto" nannte.

Im gleichen Artikel deutete Alfred Witte die Existenz und Eigenschaften von zwei weiteren Transneptun-Planeten an, die später als "Hades" und "Zeus" bekannt wurden. Im Frühjahr 1924 veröffentlichte Alfred Witte seinen letzten Transneptuner "Kronos". In dieser Phase entwickelte sich ein engerer Kontakt zwischen Alfred Witte und Ludwig Rudolph, der zwischenzeitlich wieder in Hamburg lebte.

Zur Förderung von Wittes Ideen, wurde der Kepler-Zirkel aufgelöst und stattdessen der Astrologenverein "Hamburger Schule" am 31. Oktober 1925 gegründet. Nach der Gründung bat Alfred Witte Ludwig Rudolph, den Vertrieb der Gradscheiben zu übernehmen. V. Astrologen Kongress Hamburg, Juli 1926, Bildplatte aus dem Rudolph-Archiv Ein Grund war der bevorstehende 5. Astrologenkongress Hamburg (1926), der von Sieggrün und Rudolph zu Ehren Alfred Wittes vorbereitet wurde.

Der Kongress sollte die viel diskutierten Methoden Alfred Wittes dem Fachpublikum näher bringen, doch ein Referat von Wilhelm Th. H. Wulff über Wittes Transneptun-Planeten endete in einem Plagiatsvorwurf. Es gab bei "Hades" Parallelen zu Berechnungen von Dr. Theodor Grigull aus dem Jahr 1902, mit gleichem Namen, ähnlicher Umlaufzeit und Entfernung. Alfred Witte zeigte sich von diesen Übereinstimmungen und vom Plagiatsvorwurf betroffen, bestand jedoch darauf, dass er seine Planeten selbst berechnet hatte.

Bereits zuvor lösten Alfred Wittes Artikel in den astrologischen Zeitschriften viel Kritik aus, was sogar auf dem 2. Astrologenkongress in Leipzig offen diskutiert wurde (1923). Eigentliches Problem war, dass seine Arbeiten von den Lesern zu wenig durchgearbeitet wurden. Witte setzte grundlegende Kenntnisse in der Astrologie und Astronomie voraus, die nicht immer gegeben waren. Seine Artikel waren für Außenstehende daher schwer verständlich. Zudem waren seine Techniken und sein Arbeitsgerät neu, d.h. ohne die Nacharbeit mit einer drehbaren 360°-Scheibe war es kaum möglich Wittes Ausführungen zu folgen.

Da auch die Astrologen ihre Gewohnheiten nicht leicht umstellen, war es kaum verwunderlich, dass das nötige Verständnis für seine Arbeiten ausblieb. Albert Kniepf und einige andere namhafte Astrologen lehnten Wittes Entwicklungen zur Hauptsache ab. Andererseits wurden andere Astrologen durch Wittes Vorträge im Kepler-Zirkel inspiriert. So nahm der in Deutschland bekannte Astrologe und astrologischer Verleger A. Frank Glahn Halbsummen, Spiegelpunkte und den Sonnenbogen in sein Lehrbuch auf (1924). Trotzdem lehnte auch Glahn die Methode Wittes ab, besonders wegen der in Alfred Wittes Theorie stark in den Vordergrund gestellten sensitiven Punkte und der von Alfred Witte berechneten Transneptun-Planeten Cupido, Hades, Zeus und Kronos.

Wilh. Th. H. Wulff (Autor: Tierkreis und Hakenkreuz) und Wilhelm Hartmann (später Leiter der Sternwarte in Nürnberg), die zu jener Zeit zu den engeren Bekannten Wittes zählten und sich sehr um seine Erkenntnisse bemühten, lehnten schließlich Alfred Wittes Arbeit ab.

Sowohl Wittes Artikel, als auch die Bemühungen Friedrich Sieggrüns als Sprecher Wittes auf den Astrologen-Kongressen, wirbelten viel Staub und Widerstand unter den prominenten Astrologen auf. Friedrich Sieggrün provozierte auf dem zweiten Astrologen-Kongress in Leipzig das Publikum mit folgendem Satz: "Wir müssen uns alle noch einmal auf die Hosen setzen und von vorne anfangen zu studieren".  Dieser Satz wurde aufgefasst als ein Hohn auf das Wissen und Können der zeitgenössischen und historischen Astrologen.
Sieggrün wollte darauf hinweisen, dass Alfred Witte etwas zu bieten hat, was man bisher nicht kannte und nicht beachtete. Etwas, womit das Horoskop erst richtig in seinen unbekannten Tiefen aufgeschlossen werden kann. Etwas, was sich lohnt zu beachten.

Man sprach viel über Alfred Witte und seine Neuerungen, doch die ernsthafte Prüfung seiner Erkenntnisse und Vorschläge blieb aus. Dies ist eigentlich unverständlich, denn letzten Endes sollten ernsthaft Astrologie Forschende bestrebt sein, das eigene Wissen zu erweitern.

Sicher waren Einwände, Alfred Wittes Vortragsweise sei schwierig und schwer verständlich, nicht unberechtigt. Aber die Entwicklung hat gezeigt, dass man es sich mit diesem Einwand meistens reichlich leicht machte, denn jede in den Anfangsstadien stehende Entwicklung ist schwierig, sowohl für den Lehrenden, als auch für den Lernenden.
Alfred Witte hatte damit gerechnet, dass jeder andere Astrologe die grundsätzlichen Fragen, welche er aufwarf, ebenso unvoreingenommen und gewissenhaft nachprüft, wie er sie entwickelt hatte. Wo das geschah, konnte der Erfolg nicht ausbleiben, dessen war er sicher.

Nach dem Astrologenkongress 1926 bis zur Gründung des Witte-Verlages durch Ludwig Rudolph (1927), diktierte Alfred Witte seinen Studenten des Astrologenvereins "Hamburger Schule" die von ihm aufgestellten Deutungen seiner Planetenbilder an den Vortragsabenden in die Feder. Da dem belehrenden theoretischen Vortrag dadurch viel kostbare Zeit entzogen wurde, machte Ludwig Rudolph Alfred Witte den Vorschlag, er möge seine Erkenntnisse zusammentragen und in einem Buch veröffentlichen.Rudolph: Witte - Regelwerk 1928 - Witte-Verlag Hamburg Alfred Witte beauftragte Ludwig Rudolph diese Arbeit zu übernehmen. Ludwig Rudolph erfüllte diese Aufgabe und gab 1928 das Buch: "Regelwerk für Planetenbilder" mit dem Untertitel: "Die Astrologie von morgen", heraus. Das Buch wurde schnell ein Erfolg. 

In der gleichen Zeitperiode tat sich auch in Wittes familiärem Umfeld einiges. Am 4. Januar 1930 heiratete Witte (Alfred Carl Christian) die 14 Jahre jüngere Witwe Gertrud Jantzen, geb. Schlee. Aus dieser Ehe entstammen zwei Töchter, Anne Charlotte (1930) und Marion (1932), liebevoll "Antje" und "Pütte" gerufen. Auch der Tod seiner Mutter Metta Witte fällt in diese Zeit (†1933). Sie vererbte ihm den Sinn für die geheimnisvollen Welten, und er bescherte ihr in treuer Fürsorge des dankbaren Sohnes einen sorglosen Lebensabend. Er wohnte bei seiner Mutter, selbst als er schon verheiratet war. Seine Heirat hielt er vor seinen Freunden und seiner Mutter geheim, nur damit seine Mutter, ohne die Sorge einsam zu sein, ihren Lebensabend beschließen konnte. Erst am Totenbett vertraute er ihr sein Geheimnis an. Seine Mutter hatte die Gabe der Besprechung und hat vielen Menschen geholfen, wo ärztliche Kunst nicht ausreichte. Auch da hat Alfred Witte seine Mutter in vielem beerbt. So hatte er einen Tee zur Auffrischung des Blutes zusammengestellt, der vielen bekannt war als "Witte-Tee".

Mit der Gründung des Astrologenvereins "Hamburger Schule" (1925) beendete Alfred Witte seine Artikelserie und konzentrierte sich auf öffentliche Vorträge und Schulungen. Die Veröffentlichung seiner Ideen, wurden von seinen Anhängern übernommen. Stellvertretend für Alfred Witte schrieben ab den frühen 1930er Jahren Wilhelm Beckmann, Ludwig Rudolph und andere in der von Reinhold Ebertin herausgegebenen Zeitschrift "Neue Sternblätter", später "Mensch im All". Obgleich Stimmen im Leserkreis laut wurden, die darüber Beschwerde führten, dass zu viel über Hamburger Schule in den Blättern geschrieben wurde, bewiesen schließlich die Teilnehmer an einer Serie von Arbeitsaufgaben, die Reinhold Ebertin stellte und die jeder nach der von ihm vertretenen Theorie lösen konnte, dass der größte Prozentsatz der besten Lösungen von Studenten der Hamburger Schule gelöst wurde.

Nach der Herausgabe des Regelwerks intensivierte sich die Zusammenarbeit zwischen Alfred Witte und Ludwig Rudolph. Die Entwicklung der 90°- und 45°-Scheiben durch Ludwig Rudolph (1931), sind auf ein Treffen zwischen Witte und Rudolph zurückzuführen. Ludwig Rudolph/Alfred Witte: Leitfaden der Astrologie - System Hamburger Schule, im Original Schutzumschlag von 1933 Bild von Alfred Witte im Regelwerk 1935. Quelle: Regelwerk für Planetenbilder, 3. Auflage, Witte-Verlag Ludwig Rudolph Die um mehr als das doppelte erweiterte Ausgabe des "Regelwerks für Planetenbilder" erschien 1932. Ebenfalls entstand in dieser Phase das Logo des Verlags "Witte-Stern" und das erste Lehrbuch der Hamburger Schule "Rudolph, Leitfaden der Astrologie – System Hamburger Schule", 1933. Regelwerk und Leitfaden trugen sehr zur Vertiefung und Verbreitung der Lehre Alfred Wittes bei. Die 3. Auflage des Regelwerks erschien bereits 1935 und zeigt erstmals ein Foto von Alfred Witte, welches heute weltbekannt ist.

Im Herbst 1936 das "Regelwerk für Planetenbilder" vom Präsidenten der Reichsschrifttumskammer ohne nähere Begründung verboten. Die Methode Alfred Wittes war zwar nicht verboten, doch das anhaftende Stigma des Verbotenen machte die weitere Verbreitung nahezu unmöglich - insbesondere da nun das wichtigste Grundlagenwerk fehlte.

Zu der Kritik der Astrologen und Astronomen, der sich Alfred Witte in den vorangegangenen Jahren ausgesetzt sah, kam nun die Härte der Staatsmacht, die die Fortsetzung seines Lebenswerks endgültig gefährdete. Noch bitterer war es, dass es keine wirkliche Begründung für dieses Verbot gab. Sofern man der Aussage eines Sachbearbeiters der Schrifttumskammer glaubt, könnten die Sätze "verlorene Schlacht" und "unfähiger Führer" zum Verbot beigetragen haben. Dann wäre die Ursache für das Verbot ggf. auch in den von Alfred Witte berechneten hypothetischen Transneptunern Kronos und Zeus begründet. Eine Überarbeitung des Regelwerks wäre zwar ein Ausweg gewesen, doch wäre es auch ein Verrat an der eigenen Sache geworden, die Transneptuner oder die kritisierten Aussagen aus dem Buch zu streichen. Es begann ein zäher Kampf mit den Behörden, um die Freigabe des Buches zu erreichen.

War dies alles schon schwer erträglich, kam von "befreundeter" Seite der schwerste Hieb auf das Lebenswerk Alfred Wittes. Reinhold Ebertin, der in seiner Zeitschrift das Regelwerk zum Verkauf anbot und vertrieb, übernahm die wesentlichen Konzepte der Methode Wittes ohne Transneptuner, sowie die 90°-Scheibe, und veröffentlichte ein Buch, welches dem Konzept des bis dahin einmaligen Regelwerks glich.
Da Ebertin direkt von Wittes Arbeit profitierte, wurde er später von Ludwig Rudolph als "Schüler von Alfred Witte" bezeichnet (obwohl Ebertin kein persönlicher Schüler von Alfred Witte war). Schülerhaft hatte Reinhold Ebertin den Wert der von Alfred Wittes entwickelten Methode erkannt, aufgenommen und in Teilen so aufbereitet, so dass es keine Probleme mit den Behörden gab. Die Tatsache einer solchen Umarbeitung des Regelwerks ist allein schon eine Anerkennung des überragenden Wertes der astrologischen Arbeit Alfred Wittes. Dennoch verzieh es Alfred Witte nie, dass Ebertin das Regelwerk unter Verwendung von Form und geistigem Inhalt umschrieb und als "Kombination der Gestirnseinflüsse" veröffentlichte und Witte zudem noch kritisierte, während das Vorbild "Regelwerk für Planetenbilder" auf dem staatlichen Verbotsindex stand.

Damals allerdings begann für Alfred Witte erst der Leidensweg. Der Ring um die Astrologie wurde immer enger gezogen. Die Krönung sollte die schlagartige Gestapo-Aktion am 9. Juni 1941 sein, bei der viele Astrologen festgenommen und die Mehrzahl ins KZ gebracht wurden. Alfred Witte bliebt das KZ erspart, vermutlich weil er beim Hamburger Staat beschäftigt war. Anstelle einer Haft, musste sich Alfred Witte regelmäßig bei der Gestapo an der Stadthausbrücke melden, wo er durch niederträchtige Verhöre geistig mürbe gemacht wurde. Alfred Wittes Todesanzeige aus dem Archiv der Fam. Ludwig RudolphAls Ludwig Rudolph aus der Haft und anschließender Hafterholung zurückkam, musste er die traurige Feststellung machen, dass Alfred Witte am 4. August 1941 seinen Geist aufgegeben hatte und den Freitod durch Erhängen gewählt hatte. Der vorliegende Totenschein datiert den Fund auf die Uhrzeit 9:45 Uhr (-2 = GMT). Dies war ein schwerer Schlag für Wittes junge Familie und auch für seine Anhänger der Hamburger Schule. 

Ob die Deutungen von Kronos und Zeus tatsächlich zum Regelwerkverbot beigetragen haben, ist nicht belegt, denn die Akte des Regelwerkverbots war noch zu Lebzeiten Wittes in Berlin unauffindbar. Der darauf folgende Entschädigungsantrag Ludwig Rudolphs vom 5. Juni 1939 blieb folgenlos. Für Ludwig Rudolph war es später eine gewisse "Ehrung" Wittes, dass man in der Reichsschrifttumskammer 1936 ausgerechnet die Regeln Alfred Wittes zitierte, die den Zusammenbruch 1945 letztlich zutreffend vorweg genommen hatten.

Zufall oder nicht, Kronos und Zeus spielen noch eine weitere Rolle. Auf Alfred Wittes Grabstein wurde die Formel Jupiter+Kronos-Zeus gemeißelt. Eine versteckte Botschaft an die Anhänger Wittes mit der Bedeutung:

"[Der] Meister im Schaffen - Alfred Witte - geb. 2. März 1878 - gest. 4. Aug. 1941".

 Anmerkungen

  • Auf der Todesanzeige ist handschriftlich vermerkt, dass Alfred Witte in der Nacht vom 3. zum 4. August 1941 zwischen 4-5 Uhr morgens verstarb oder aufgefunden wurde (-2h = GMT). Im Totenschein wird der 4. August um 9:45 (-2h = GMT) als Zeitpunkt der Auffindung genannt.
  • Zum Plagiatsvorwurf: Dr. Theodor Grigull revidierte seine Berechnungen im Jahr 1921, sodass "sein Hades" sich schließlich von Wittes Hades deutlich unterscheidet. — Die Geschwindigkeit von Hades läuft nahezu konform mit dem um den Sonnenbogen vorgeschobenen Hades (HA vorg. ≈ HA tr.), was für einen astrologischen Nachweis ein Nachteil ist.
  • In der lesenswerten Schrift: "Die Sterne lügen nicht" (vergl. ab HH 1991/3), beschreibt Walter Rothenburg Alfred Witte zutreffend als "frommen Mann". Der Begriff "fromm" hat allerdings seit Rothenburg eine semantische Änderung erfahren und könnte daher falsch verstanden werden. Der Begriff steht in dem genannten Zitat keineswegs für Religiösität, wie heute gebräuchlich, sondern bedeutet in der alten semantischen Verwendung, dass Witte ein rechtschaffener bzw. tüchtiger Mann war. Dies sei an dieser Stelle deutlich herausgestellt, da Alfred Witte aufgrund fehlerhafter Übersetzungen oder schlichter Unkenntnis, in jüngerer Zeit fälschlich als "Missionar" bezeichnet wurde. So wird der wahren Persönlichkeit des astrologischen Forschers und Reformers Alfred Witte das Etikett eines angeblichen religösen Reformators übergestülpt.
  • "Meister im Schaffen" ist der einzige Eintrag unter Jupiter+Kronos-Zeus im Regelwerk, vergl. 3. Auflage 1935, S. 128.
  • In Wittes Horoskop ist Jupiter+Kronos-Zeus = Apollon in T4: "Meister im Schaffen - in der Wissenschaft". Apollon im 10.MC- und 10.AS-Haus: "in der Öffentlichtkeit"

Quellen

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