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An unsere Leser, aus HH 3/2001

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

im Heft 1/2001 wiesen wir auf das "Spiegel"-Titelblatt mit Ludwig Rudolph vom 22. November 1950 hin. Dieser Hinweis rief große Aufmerksamkeit in der Leserschaft hervor. Wir freuen uns daher, dass wir in diesem Heft den dazugehörigen Titel-Bericht "Kennzeichen des Zeitalters" mit freundlicher Genehmigung des "Spiegel" wiedergeben dürfen, um dem allgemeinen Interesse entgegenzukommen.

Für mich ist dieser Artikel aus verschiedenen Gründen recht bemerkenswert. Erst wenige Jahre vor dieser Veröffentlichung konnten sich die hier angesprochenen Vereinigungen Astrologische Studiengesellschaft und Deutscher Astrologen Verband im Nachkriegsdeutschland neu formieren. Damit fällt dieser Artikel in die Aufbauphase der Vereine.

- Am Rande bemerkt, nicht wenige Ex-Mitglieder der Vorgänger-Organisationen lehnten den Vereinsbeitritt ab. Das Vertrauen in die neugewonnene Demokratie war noch jung und zu frisch waren die Erfahrungen mit der Gestapo, welche die Vereinslisten zur Verfolgung der Astrologen genutzt haben soll. -

In dem Artikel fällt der Stil der Berichterstattung angenehm auf, welcher die unterschiedlichen Meinungen gegenüberstellt und somit dem Leser die eigene Meinungsbildung erleichtert. Abgesehen von der Darstellung des damaligen Zeitgeschehens wird ein Überblick der astrologischen Thematik gegeben, welcher für jüngere Astrologen auch Überraschendes zu bieten hat.

Dagegen wundert kaum, dass die dargestellte Debatte Astronomie vs. Astrologie für uns wenig Neues bietet. Auch heute finden wir die gleichen Argumentationsmuster in solchen Diskussionen wieder. Es scheint so, als ob sich in den letzten 50 Jahren kaum etwas bewegt hat.

Wenn man von einigen Details einmal absieht, hätte der Artikel aus der Maschine eines gegenwärtigen Journalisten stammen können. Das jedenfalls stellt wiederum eine Überraschung dar. Der "Astrologie-Boom", welcher seit 20 Jahren beschworen wird, hätte doch eigentlich etwas anderes vermuten lassen - oder?

Michael Feist
Hamburg, 15. Juni 2001