(c) 1997-2009 Witte-Verlag
An unsere Leser, aus HH 4/2000

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

vor 75 Jahren fand sich eine Gruppe Hamburger Astrologen zusammen, um den Wahrheitsgehalt der Astrologie mit allen brauchbaren Mitteln zu erforschen. Das ehrgeizige Ziel war, die Astrologie den anerkannten Wissenschaften gleichzustellen.

Die "Hamburger" waren keineswegs die einzigen Astrologen, welche in der wissenschaftlichen Anerkennung der Astrologie ein erstrebenswertes Ziel sahen, sondern es spiegelt sich hier der Zeitgeist der damaligen Astrologen-Gemeinde wider. Man ging von einem naturwissenschaftlichen Charakter der Astrologie aus.
Wenn man heute Astrologen fragt, was für eine Wissenschaft die Astrologie darstellt, dann wird man unterschiedliche Antworten erhalten. Es herrscht jedoch ein breiter Konsenz, dass Astrologie eine Erfahrungs-Wissenschaft ist. Die Erfahrungswerte jedes einzelnen Astrologen wie der gesamten Astrologenschaft sind ein erhaltenswertes Gut. Jedoch steckt hierin eine der Gründe, weswegen sich die Astrologie nicht als Naturwissenschaft etablieren konnte.

Erfahrungen sind subjektiver Natur. Dasselbe Ereignis vermittelt - je nach Ausgangslage des Betrachters - recht unterschiedliche Erfahrungen. Außerdem neigt der Mensch dazu, Erkenntnisse, die seine bisherigen Annahmen und Erkenntnisse stützen können, höher zu bewerten als solche, die ihn zu einem Umdenken zwingen. In der Beratungspaxis kommen ferner die subjektiven Erwartungen des Klienten hinzu, die dem gleichen Mechanismus unterworfen sind. Auch hier werden die Äußerungen des Astrologen, die der Erwartungshaltung entsprechen, höher bewertet als nicht entsprechende.

Ich möchte mit diesen Betrachtungen zum Nachdenken anregen und zu selbstkritischen Reflexionen der eigenen Erkenntnisse aufrufen.

Die "Hamburger" haben sich zur notwendigen Klarlegung der theoretischen und astronomischen Grundlagen bekannt, wie auch Alfred Witte seine astrologischen Ansätze stets auf astronomische Gegebenheiten zurückführte. Wir sollten diesen Gedanken nicht aus den Augen verlieren.

Michael Feist
Hamburg, 22. September 2000