| An unsere Leser, aus HH 3/2000
Liebe Leserinnen, liebe Leser, der Hamburger Boxpromotor Walter Rothenburg kam über seinen Freund Wilhelm Beckmann, welcher 1936 Max Schmelings Sieg gegen Joe Louis in der 12. Runde voraussagte, mit der Witteschen Astrologie und Alfred Witte in Kontakt: "Alfred Witte war ein frommer Mann. Nur ein einziges Mal habe ich ihm persönlich gegenübergestanden. Er suchte mich in meinem Büro auf. Als er hereintrat, spürte ich, ein Außergewöhnlicher betrete den Raum, soviel Güte und Liebe strahlte von ihm auf mich über. Er verehrte mir ein Bild von sich; mit seinem Namenszug versehen, schickte er es mir zu. Ich halte das für erwähnenswert, weil Alfred Witte mein Horoskop kannte. Ich bekenne, mich sehr geehrt gefühlt zu haben, diesem stillen, ernsten, reinen Mann zu gefallen. Alfred Witte stellte keine Prognosen. Er betrieb Astrologie nur als Forscher. [...] Alfred Witte wusste weit mehr, als er aussprach. Auf Fragen politischer Natur gab er keine Antwort. Eine ganz kleine Bewegung mit der Hand, vielleicht unwillkürlich gemacht, sagte aber mehr als alle Worte." Wir wissen, dass Alfred Witte sehr wohl auch prognostisch tätig war, denn er gab uns umfangreiches Handwerkszeug für die astrologische Prognose. Per Gesetz war es ab 1936 allerdings nicht gestattet, Prognosen zu erstellen (vergl. Poizeiverordnung von 1936, HH 2/99, S.10), jedoch war es bis 1941 erlaubt, Astrologie "wissenschaftlich" zu betreiben, was die metagnostische Arbeit in den Vordergrund hob. In »Doktor Witte«, S. 27, beschreibt Carl-Otto Fleischhauer seine persönlichen Erlebnisse mit dem Technischen Oberinspektor Alfred Witte, welchen er in den Jahren 1940/41 als Praktikant erlebte. Carl-Otto Fleischhauer, selbst kein Astrologe, war dermaßen beeindruckt von der Person Wittes, dass er seine Erlebnisse fast 60 Jahre später zu Papier brachte. Eine besondere Textstelle der Erzählung möchte ich vorwegnehmen, welche uns zeigt, dass Witte ein Symmetriker in allen Lagen war. Sie betrifft eine Begebenheit am Hamburger Fluss Bille: "Es war ein bitterkalter Tag. Ein Platz an der Bille gegenüber der Jutefabrik war abzustecken. Witte meinte scherzhaft, es sei 30 Grad kalt, auf jeder Seite der Bille -15 Grad." Nehmen wir Dr. Heike Potts "Putins Geburtszeit", S.5, Klaus Peter Assmanns "Friedrich Nietzsche - der gefährliche Philosoph", S.11, oder Karl Trimborns "Katastrophe der Bundesbahn von Brühl", S.18, so sehr sich diese Arbeitsansätze unterscheiden, so sehr ist in jeder der Geist Alfred Wittes unverkennbar. Einen angenehmen Sommer wünscht Ihnen Michael Feist |