Hermann Lefeldt / Methodik I / Einleitung / Seite 21

Stier:

In der Astrologie: Aszendentbezogen, räumlich geordnet, darum Ausrichtung auf die Horizontlinie, wenig Faktoren. Einschau in das Wesen über das Symbol. Man ist zufrieden mit der Regel.

 

Wassermann:

Beziehung auf das MC als Symbol für das Wesen des Nativen in seiner Zeit. Streben nach Zeitgenauigkeit durch gute Uhren. Der Vielgestaltigkeit des Lebens wird entsprochen durch den Reichtum der Faktoren in Transneptunplaneten, Planetenbildern und Spiegelpunkten. Einschau in das Wesen durch analytisches Denken und sorgfältige, genaue Rechnung und Berechnung. Wir erstreben das Gesetz.

 

Ergebnis dieser Gegenüberstellung: Zur Stierzeitastrologie gehören 1. Die Ausrichtung auf die Horizontachse, also den Aszendenten und die räumliche Einordnung des Geborenen. 2. Die wenigen Faktoren für die Aufgliederung des Horoskops: die 12 Zeichen, die 12 Häuser, ein paar Aspekte und die Planeten. Außerdem ist von stärkster Bedeutung die Tatsache, daß die alten Ägypter für diese Art der Horoskopie ein Hilfsmittel zur Verfügung hatten, welches den heutigen Astrologen fehlt: die Magie oder Symbolschau, auch als Natursichtigkeit bezeichnet. In der körperlichen Veranlagung der damaligen Zeit hatte die Zirbeldrüse ihre Bedeutung noch nicht verloren. Sie ist die Voraussetzung für die Natursichtigkeit. Wir Menschen von heute sind Wesen, die sich der Großhirnrinde als körperliches Organ für ihre Erkenntnisse bedienen. Der Großhirnmensch rechnet und treibt Naturwissenschaft.

Zur Wassermannastrologie gehören die Ausrichtung auf die Senkrechte, also den Meridian und die Einordnung des Nativen in die Zeit, zum andern, um der ungeheuren Vielfalt des modernen Lebens gerecht werden zu können, eine schier unendliche Vielzahl von Möglichkeiten der Deutung, wie sie in den Planetenbildern und Formeln tatsächlich gegeben sind.

Es stehen sich also die statische, alte Astrologie der Stierzeit und die moderne, dynamische Wassermannastrologie Alfred Wittes diametral gegenüber.

Damit der Leser bei den späteren Ausführungen über die Häuser volle Klarheit hat, muß noch ein Umstand erwähnt werden, der von den meisten Astrologen gern umgangen wird, weil sie anscheinend nichts Rechtes damit anfangen können. Aber auch hier bringt die Anwendung Wittescher Gedankengänge schnell die notwendige Klarheit. Das gesamte Häuserproblem, über das in der alten Schule der Streit nie zu Ende kommt, ist verankert zwischen dem Nordpol und dem Äquator. Kein Astrologe kann das Problem dadurch beiseiteschieben, indem er sagt, daß am Nordpol keine Menschen geboren werden und auch nicht dauernd leben. Im Streit gegen einen modernen Naturwissenschaftler könnte der darauf hinweisen, daß man eine Frau, die ein Kind erwartet, mit allem Komfort der Neuzeit umgeben, dorthin bringen und nach der Entbindung wieder in die Zivilisation zurückführen könnte. Jetzt müßte für dieses Kind ein Horoskop berechnet werden. Außerdem würde schon der Hinweis genügen, daß heute Flugrouten über den Nordpol führen, und die Geburt eines Kindes in einem Flugzeug ist weder außergewöhnlich noch unmöglich. Ein Astrologe muß also eine Antwort darauf geben können.

Ein Beobachter am Nordpol würde, wenn er die ganze Erde überschauen könnte, diese unter seinen Füßen sich drehen sehen, er hätte immer den Blick nach Süden. Wie kommt man nun hier zur Aufstellung eines Horoskops? Am Nordpol ist bekanntlich ein halbes Jahr Tag und ein halbes Jahr Nacht. Tag und Jahr fallen also zusammen. Am 21. 3. würde die Sonne über dem Horizont auftauchen, das wäre mit einem Stand in 0°Widder, am 21. 6. würde sie kulminieren in 0°Krebs usw. Daraus folgt, daß am Nordpol dauernd der kulminierende Punkt ...

 

 

21