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- naturwissenschaftlich betrachtet Teil 1 Von Hans Joachim Scholz, Konstanz Wenn wir die Astrologie aus der Sicht der Naturwissenschaft betrachten wollen, so müssen wir uns zuerst einige Fragen stellen und diese möglichst klären: Was ist... ... Wissenschaft? bzw. Und wie hängt das alles zusammen? Nach Klärung, besser: Erklärung aller dieser Fragen werden wir - hoffentlich! - ein geschlossenes Bild von der Astrologie haben. Es wird dabei letztendlich herauskommen, daß die Astrologie genau auf des Messers Schneide zwischen Natur- und Geisteswissenschaften balanciert. Das sagt uns jetzt noch nicht viel, aber später wird es uns wahrscheinlich klarer erscheinen. Zu allen diesen obigen Fragen können wir jetzt schon behaupten, daß es kaum befriedigende Antworten gibt. Allein die richtige Antwort auf die Frage nach der Gravitation ist Nobelpreis-würdig. Hier müssen wir uns mit dem begnügen, was wir zur Zeit unter Gravitation beschreiben. Vieles ist spekulativ und noch weitgehend unerforscht. Aber schon unsere Vorfahren konnten Sonnen- und Mondfinsternisse im Voraus berechnen, ohne richtige Vorstellungen vom Sonnensystem zu haben. Um nur zwei Beispiele einzuflechten, wie genau die damaligen Menschen mit ihrem völlig falschen Weltbild dennoch die Natur ergründeten: Die siderische Jahreslänge wurde bzw. wird angenommen: Babylon, ca. 500 Jahre v.d.Ztw. Ptolemäus ca.150 Jahre n.d.Ztw. heutiger Rechenwert Aber nicht nur die Jahreslänge wurde auf Zehntelsekunden berechnet gemessen, sondern auch die Monatslängen waren den Alten sehr genau bekannt. An dieser Stelle füge ich eine Tabelle ein, die beim mündlichen Vortrag als Schaubild auf die Leinwand projiziert wird: Dazu gebe ich hier kurz die Definitionen für die fünf verschiedenen Monatslängen zur Erinnerung bekannt. Die heutigen gültigen Werte stehen in Klammern. Tropischer Monat: Zeit, die vergeht, bis der Mond die gleiche ekliptikale Länge hat. Da dieser Monat an die Präzession - jährlich ca. 50" - gebunden ist, war er als einziger den Babyloniern nicht bekannt. Synodischer Monat, auch Lunation genannt: Durch die Exzentrizität der Mond- und auch der Erdbahn kann die Lunation um bis zu 13 Stunden vom Mittelwert abweichen ! Siderischer Monat: Anomalistischer Monat: Drakonitischer Monat: In Babylon waren etwa um 500 v.d.Ztw. - also vor ca. 2500 Jahren, als es noch keine genauen mechanischen Uhren gab, folgende Monatslängen bekannt: Werte der Babylonier (Abweichungen vom echten Wert in Klammern): anomalistisch: synodisch Mittel: Maximum: Minimum: siderisch: drakonitisch: Etwa 650 Jahre nach den Babyloniern hat Ptolemäus für den anomalistischen Monat eine zeitliche Länge von 27d 13h 18m 34,89s ermittelt. Er hat damit die Länge dieses Monats um ganze +0,19s verändert! Wir heutigen haben die babylonische Monatslänge um -1,70s korrigiert. Ich will jetzt hiermit den Versuch wagen, die Astrologie in ein geschlossenes Kausalsystem einzubinden, ohne genau erklären zu können, wie das nun mit letzter rechnerischer Sicherheit wirklich funktioniert. Betrachten wir die Antworten auf meine Fragen nur als Arbeitshypothese. Vieles davon wird bestimmt von Späteren verworfen - ich hoffe: nicht alles! - und als fehlerhaft oder noch viel zu lückenhaft erkannt werden, aber ein Anfang muß nun einmal gemacht werden. Auf die Frage, was denn eigentlich Wissenschaft sei, können wir erst einmal gar nicht antworten, weil es DIE Wissenschaft als diesen reinen Begriff nicht gibt. Wir müssen zwischen Natur- und Geisteswissenschaften unterscheiden. Was nun ist, bitte, Naturwissenschaft? Der gute alte Lehrer Bömmel aus dem Film 'Die Feuerzangenbowle' gab dort Naturwissenschafts-Unterricht und er fing ihn so an: »Am Anfang stelle mer uns mah janz domm!« Und so wollen wir uns am Anfang auch erst einmal ganz dumm stellen. Wir machen in Gedanken folgendes Experiment: Eine Kugel lassen wir etliche Male aus einem Meter Höhe auf eine Waage fallen. (Anmerkung für ganz pingelige Menschen: Es ist zuerst einmal das Gerät zum Wiegen gemeint und nicht ein Mensch dieses Sternzeichens. Und noch mal Bömmel: »Dett krieche mer später, janz beschtimmt!«) Und damit es auch immer wieder exakt die gleiche Höhe ist, bringen wir eine ganz leicht geneigte Rinne an, die in einem Meter Höhe offen endet. Lassen wir nun die Kugel rollen, so möge das ganz langsam vor sich gehen, bis sie über den Rand den einen Meter nach unten auf die Waage stürzt. Die Waage soll so gebaut sein, daß das Wiegeergebnis so lange abzulesen ist, bis wir es wieder auf 'Null' stellen. Die Wucht des Aufpralls läßt entweder einen Zeiger herumschnellen - der dann stehen bleibt - oder eine Ziffernanzeige tut uns das Ergebnis kund. Machen wir dieses Experiment mehrere Male, so werden wir immer das gleiche Ergebnis erzielen. Glauben wir, wenn wir unexakt messen! Wenn wir das Experiment immer unter den gleichen Bedingungen machen würden, dann wären die Ergebnisse wirklich gleich. So hat Gallilei vom Schiefen Turm zu Pisa Kugeln herunterfallen lassen und ihre Fallzeit gemessen. Im Rahmen seiner damals möglichen Meßgenauigkeit waren die Ergebnisse bei ihm auch wirklich immer gleich. Wir heutigen müßten dabei den Luftdruck, die Luftfeuchtigkeit, die prozentuale Zusammensetzung der Luft aus ihren Gemischbestandteilen und selbstverständlich auch die Seitenwindgeschwindigkeit berücksichtigen. Jetzt wollen wir unser Gedankenexperiment ein wenig komplizierter machen: Wir verlegen unseren Experimental-Ort auf den Äquator und als Zeit dafür wählen wir den Tag, an dem Neumond herrscht. Als Zeitpunkt nehmen wir die exakte örtliche Mittagszeit. Die Bedingungen für die Schwerkraft unseres Versuchs sehen jetzt so aus, daß die Kugel genau nach unten von der Erde angezogen wird. Genau über der Kugel aber ziehen Sonne und Mond gemeinsam die Kugel ein bißchen nach oben. Die Schwerkraft - meist Gravitation genannt - der Erde wird damit um diesen kleinen Betrag geschwächt. Die Kugel fällt nun nicht mehr ganz so schnell und die Wucht, mit der sie auf die Waage aufknallt, ist auch nicht mehr das, was sie früher einmal war. Nun warten wir etwa 14 Tage, bis wir Vollmond haben. Jetzt stehen sich Sonne und Mond gegenüber und ihre Schwerkrafteinflüsse heben sich quasi auf. Das gilt allerdings nur im Rahmen der Meßgenauigkeit unseres Experimentes. Wenn wir nun noch vorsichtshalber bis zum Sonnenuntergang, bzw. was bei Vollmond das gleiche ist, bis zum Mondaufgang warten, dann wirkt auf den Fall unserer Kugel nur noch die ungebremste Erdanziehung. Diesmal wird die Kugel Sekundenbruchteile eher unten sein und auch die Wucht ihres Aufpralls wird geringfügig größer sein. Für diese feinen Unterschiede brauchen wir allerdings sehr empfindliche Meßgeräte. Wenn wir - auf Grund uns bekannter Naturgesetze - Voraussagen machen können, die dann auch gemäß der Theorie eintreffen, die damit genau nachprüfbar sind, so haben wir wieder einen Bereich der Naturwissenschaft vor uns. Was aber ist Geisteswissenschaft? Da dieses Mal ein menschliches Opfer als Versuchskaninchen ausersehen ist, wollen wir es nicht ganz so schmerzhaft machen, und ich schlage vor, daß wir die Kugel aus 40cm Höhe herunterfallen lassen. Meinetwegen auf eine Waage, aber diesmal auf einen Menschen vom Sonnenzeichen Waage; es kann aber auch ein x-beliebiger Mensch sein! Und nun lassen wir die Kugel dem armen Opfer auf die Zehen fallen. Ich empfehle Ihnen - wenn Sie das Experiment in der Praxis nachvollziehen wollen - dazu eine möglichst schwächliche Person zu wählen, bei der Sie nicht gleich mit schmerzhaften Gegenreaktionen rechnen müssen. Spaß beiseite, Ernst komm her! Vorausgesetzt, der getroffene Mensch ist gesund an Körper und Geist, so können wir annehmen, daß er Schmerz empfindet. Dieser Zusammenhang könnte noch Naturwissenschaft sein. Aber die persönliche Reaktion des Probanden ist NICHT voraussagbar. Wir wissen vorher nicht, ob er nur unwillig das Gesicht verzieht, ob er vor Schmerz tierisch laut aufbrüllt, ob er Schmerzenstränen vergießt oder ob er uns gar als 'Gegenreaktion', gewissermaßen als Belohnung für das ihm Zugefügte, eine Ohrfeige, alias Maulschelle verpaßt. Und machen wir dieses Experiment gar mit mehreren verschiedenen Menschen, so werden die Ergebnisse jedes Mal anders ausfallen. Die Experimente bringen bei einer Wiederholung im strengen Sinne keine wiederholbaren Ergebnisse. Hier bewegen wir uns im Bereich der 'Geisteswissenschaft', der Wissenschaft vom menschlichen Geist. Nun ist dieses Beispiel allerdings nicht grade repräsentativ für die Geisteswissenschaften. Dazu gehören unter anderem: Geschichte, Philosophie, Psychologie, Theologie und noch einige andere Bereiche. Was unterscheidet Naturwissenschaft (N) Diese Unterschiede können wir gegenüberstellen: N:Das Thema der Wissenschaft ist die Natur. G:Das Thema der Wissenschaft ist der menschliche Geist N:Experimente sind meist wiederholbar. G:Experimente sind meist NICHT wiederholbar. N:Bei wiederholten Experimenten unter gleichen Bedingungen auch gleiche Ergebnisse G:Bei wiederholten Experimenten unter gleichen Bedingungen KEINE gleichen Ergebnisse N:Erfassen der Natur bis zur quantitativen Meßbarkeit G:Erfassen der Natur bis zur Erfassen von Vorgängen meist nur qualitativ, beschreibend möglich N:Voraussagbare Veränderung möglich G:Voraussagbare Veränderungen NICHT möglich. Gibt es Mischformen zwischen Natur- und Geisteswissenschaft? Fallen wir gleich mit der Tür ins Haus: Aber ja! Ganz sicher! Denken Sie an die medizinische Wissenschaft. Hier haben wir den klassischen Fall vor uns, daß die ärztliche Kunst wie eine Naturwissenschaft betrieben wird, daß ihre Experimente aber - oft aus ethischen Gründen - NICHT immer wiederholbar sind und wenn sie es sind, bringen sie oft sehr verschiedene Resultate zu Tage. Wir alle wissen, daß das gleiche Medikament bei der gleichen Krankheit oft bei verschiedenen Menschen auch verschiedene Wirkungen zeigt. Der eine wird davon gesund, der andere bekommt davon eine Allergie, oder sonst eine häßliche Nebenwirkung stellt sich bei ihm ein. Der eine Arzt heilt eine Krankheit mit Medikamenten - dabei noch verschiedene Ärzte die gleiche Krankheit mit verschiedenen Medikamenten - der andere Arzt dieselbe Krankheit nur mit gutem Zureden oder sonst einer geistigen Beeinflussung. Hier wirkt die Psyche des Patienten sehr vielmehr mit, als es sich die 'seriöse' Naturwissenschaft vorstellen kann. Wenn es also eine meßbare Beeinflussung des menschlichen Körpers durch den menschlichen Geist gibt - Psychosomatik nennen wir das im Gelehrtendeutsch - , so haben wir hier eine Mischform vor uns. Ein Beispiel dafür wäre die Absenkung der Körpertemperatur allein durch Hypnose. Was ist Astrologie? Diese Frage erscheint einfach und ist doch nicht einfach zu beantworten. Tasten wir uns langsam an den Begriff der Astrologie heran. Fragen wir doch erst einmal, was Astrologie eigentlich will, so werden die Antworten reichlich fließen: Alle Antworten sind voneinander verschieden und alle sind sie richtig! Astrologie will erforschen, ob zwischen den Himmelskörpern und dem menschlichen Schicksal ein Zusammenhang besteht. Angenommen, es bestünde ein Zusammenhang, wie wäre dann das Abhängigkeitsverhältnis? Schon der Begriff 'Himmelskörper' ist - aus der Sicht des naturwissenschaftlichen Astronomen - unklar, verwaschen und oft viel zu vielseitig. Es können Sterne wie unsere Sonne sein. Es können die Planeten von Merkur bis Pluto - oder noch weiter? - sein. Es können Monde sein. Aber warum nehmen die Astrologen nur den uns begleitenden Erdmond und nicht die anderen vielen Monde zwischen Mars und Pluto? Es können Planetoiden sein wie die Trojaner zwischen Mars und Jupiter oder auch die erst seit kurzer Zeit bekannten Kentauren zwischen Saturn und Pluto. Es könnten aber auch die zwar astrologisch entdeckten, aber noch nicht gesichteten, astronomisch noch nicht beobachteten, Transneptuner sein. Letztendlich könnte es auch der Isis genannte Transpluto sein. Es gibt aber auch immaterielle Punkte, die nach Meinung der Astrologen im Horoskop, bzw. im Leben des Horoskopeigners, Wirkung zeigen: den Punkt der Himmelmitte - meist nur Meridian oder MC (Abkürzung für Medium Coeli) genannt - und sein Gegenpunkt, die Himmelstiefe, IC genannt, die Schnittpunkte des Horizontes mit dem Tierkreis - der Ekliptik - am östlichen Aufgangspunkt der Aszendent = AS genannt und sein Gegenpunkt am westlichen Untergangspunkt, der Deszendent = DS genannt. Alle diese Himmelskörper, besser 'Wirkpunkte' oder kurz 'Punkte' genannt, stehen in irgendwelchen geometrischen Beziehungen zueinander und werden dann in der Astrologie zum Menschen in Bezug gesetzt. Aber auch da gibt es verschiedene Beziehungen. Während die einen Astrologen davon ausgehen, daß diese Beziehungen - die für den Zeitpunkt der Geburt ermittelt werden und damit das sogenannte Radix-Horoskop ergeben - das Lebensschicksal des Menschen festschreiben oder den Charakter des Menschen festschreiben oder den Charakter des Menschen nur beeinflussend prägen oder die Gene in den Zellkernschleifen aller menschlichen Zellen normieren, so sind andere der Meinung, daß das alles nur symbolisch zu sehen sei. Astrologie ist aber auch, oder besser: unter Astrologie verstehen wir aber auch, die Erforschung, die Beschreibung, wie die 'Punkte' unser jetziges und zukünftiges Geschehen beeinflussen. Unter Astrologie verstehen wir gewissermaßen die Beschreibung des zukünftigen, möglichen Schicksals einer oder mehrerer Personen aus den Stellungen der Punkte innerhalb des astronomischen Meß-Systems des Tierkreises - wohlgemerkt der Tierkreiszeichen, des Zodiak und nicht der Tierkreisbilder. Der Versuch, aus den Stellungen der Himmelskörper auf das zukünftige individuelle Schicksal des Menschen zu schließen, ist auch ein Teilgebiet der Astrologie. Ein weiteres Gebiet der seriösen Astrologie ist der astrologische Partnervergleich. Sei es der von ehelichen oder eheähnlichen Gemeinschaften oder auch der Vergleich von Geschäftspartnerschaften, wozu im weiteren Sinne auch die Partnerschaft von Politikern verschiedenster Farben fällt. Daß dabei der Begriff 'Partnerschaft' nicht nur positiv gesehen werden darf, will ich hier kurz erwähnen. Wir nennen eine Partnerschaft mit negativen Aspekten in der Umgangssprache kurz Feindschaft. Wir sollten vor allem wissen, daß der Begriff 'Horoskop' genau gesagt 'Stundenschau' bedeutet. Hier sind also im Horoskop die Stellungen der Punkte zu einer bestimmten Stunde gemeint und nicht nur an einem Tage oder gar nur in einem bestimmten Monat, - er brüllte: 'Ich bin ein Löwe!', während sie flüsterte: 'Ich bin eine Jungfrau!' Das bedeutet Trivialastrologie, wobei sich in mir alles sträubt, das Wort Trivial mit dem Begriff Astrologie zu verbinden, weil das einfach gar keine Astrologie ist. Wer aus den Horoskopen von leiblichen oder auch astrologischen Zwillingen - mit nur wenigen Minuten Geburtszeitunterschied - deren abweichende Schicksale erklären oder gar voraussagen kann, den dürfen wir mit Recht Astrologe nennen. Wobei der seriöse Astrologe -meiner Meinung nach - nicht 'voraussagt', sondern die zur Zeit herrschenden Schicksalstendenzen aus dem Horoskop herausarbeitet. Astrologie ist für viele Menschen einfach eine Weltanschauung, in der sie das alte und oft auch ehrwürdige Gedankengut unserer Altvorderen zu vertreten meinen. Was ist keine Astrologie? Alles, was KEINE 'Stundenschau' ist, aber den Anspruch erhebt, Künftiges oder Charakterliches aus den Sternen deuten zu können. So sind die Zeitungshoroskope bestimmt keine Astrologie. Merke: Wer die Zeitungshoroskope mit Astrologie verwechselt, den habe ich in Verdacht, daß er die Witzseite der Zeitung von der Nachrichtenseite nicht unterscheiden kann! Auch die astrologischen Jahreskalender haben nichts mit individueller Schicksalsastrologie zu tun. Sie verbreiten bestenfalls astrologisches Gedankengut. Da sie oft auch die genauen Standorte der Himmelskörper enthalten, sind sie für Astrologen, die keine genauen Berechnungen vornehmen können, oft wertvoll. Aber eine genaue Ephemeride zu berechnen oder aus ihr ein Horoskop zu interpolieren, hat im tieferen Sinne nichts mit Astrologie zu tun, denn es ist angewandte Astronomie. Auch Computerastrologie, die nur mit dem Geburtstag und oft ungenau ermittelten Geburtsorten arbeitet, kommt zwar heute der seriösen, individuellen Astrologie oft recht nahe, aber es ist keine individuelle Beratung möglich. Abweichende Zwillingsschicksale - gleicher Geburtsort und nur wenige Minuten Geburtszeitabstand - können heute auch die besten Computer-Programme noch nicht individuell ermitteln. Deshalb ist für mich die Computerastrologie keine Astrologie. Nur zur Klärung: die mathematisch-astronomische Berechnung eines individuellen Horoskopes durch ein Computerprogramm ist keine Astrologie, sondern angewandte Astronomie und durchaus legitim. Was ist Astrologie? Wer heute die Astrologie in ihrer Wirkungsweise naturwissenschaftlich erklären will, der muß in allererster Linie ein guter Physiker und Biologe sein. Als Physiker muß er Verständnis für die Astronomie und da wieder speziell für Kosmologie und die allgemeine Relativitätstheorie mitbringen. Es ist bestimmt nicht von Nachteil, wenn er die physikalischen Phänomene rechnerisch nachvollziehen kann, aber das ist nicht unbedingt nötig. Wirklich nötig ist es nur, daß der Erklärer den qualitativen Zusammenhang verstanden hat. In der Biologie ist es erst mit dem Beginn der Gen-Wissenschaft möglich geworden, den Versuch einer Erklärung zu wagen, wie die Umwelt mit den Lebewesen korrespondiert und sie beeinflußt. Die Lösung des Problems - die Astrologie als kausale Wissenschaft zu etablieren - ist nur mit der Wissenschaft des ausgehenden 20.Jahrhunderts möglich. Vor dem Jahre 1970 war es nicht möglich, die Astrologie naturwissenschaftlich zu erklären. Die Zusammenhänge sind so kompliziert, daß uns nur ein gutes Wissen über die folgenden Wissenschafts-Gebiete diese Erklärung möglich macht: 1. Die Allgemeine Relativitätstheorie von Albert Einstein, also die Physik unter Schwerkraftverhältnissen und ihre kosmologische Anwendung in Bezug auf die Schwerkraftwellen. 2. Die Hyperraum-Physik von Michio Kaku, einem japanischen Physiker, der damit eine Erweiterung des Einsteinschen Raum-Zeit-Kontinuums auf mehr als drei Raumkoordinaten entwickelt hat. 3.Die Quantenphysik von Max Planck, also die Physik der Elementarteilchen. 4. Die Quanten-Chromo-Dynamik, also die Physik der Quarks und Gluonen, aus denen sich die Elementarteilchen zusammensetzen, also die Physik der sogenannten subatomaren Teilchen. 5. Die Gen-Wissenschaft, also die physikalisch-chemische Biologie der Gene, also des Erbgutes von Lebewesen, in unserem Falle speziell die des Menschen. 6. Die Kybernetik, also die Lehre, wie durch Informationen irgendwelche Vorgänge gesteuert, bzw. geregelt werden. Und last not least: 7. Die menschliche Psychologie, also die Wissenschaft davon, wie ein Mensch geistig-seelisch auf seine Umwelt reagiert. Da alle diese wissenschaftlichen Disziplinen erst seit etwa 1980, bzw. erst 1995 der Allgemeinheit zugänglich geworden sind, war vorher an eine rationale Erklärung der kausalen Zusammenhänge zwischen Gestirnsstellungen und menschlichem Schicksal, also der Astrologie, überhaupt nicht zu denken gewesen. Kein Mensch konnte und kann über die Erkenntnisse seiner Zeit hinaus verfügen: Kepler kannte die Newtonschen Gesetze nicht. Newton kannte die Maxwellschen Gesetze nicht. Maxwell kannte die Physik von Einstein nicht. Einstein kannte die Physik von Hawking nicht. Aber alles das muß man einfach beherrschen, wenn man die naturwissenschaftlichen Wurzeln der Astrologie verstehen und beschreiben will. Die spirituell-esoterische Erklärung ist meiner persönlichen Meinung nach nur ein Ausweg der 'Noch-nicht-Wissenden' gewesen. Hier gilt für mich: Etwas noch immer zu glauben, kann Aberglauben sein, etwas wieder zu glauben, kann Wissenschaft sein! Nun will ich versuchen, Sie in die einzelnen Disziplinen ein wenig einzuführen. Fangen wir mit der Relativitätstheorie an. Hier müssen wir zwischen der Speziellen und der Allgemeinen Relativitätstheorie unterscheiden. Die Spezielle ist die Physik der großen Geschwindigkeiten, ohne die Schwerkraft mit hinzuzuziehen. Etwa zehn Jahre später hat Einstein auch die Schwerkraft / Gravitation mit einbeziehen können, und damit entstand die Allgemeine Relativitätstheorie. Was ist denn nun an dieser Theorie für uns so wichtig? Hier erklärt uns Einstein, daß es Gravitationswellen gibt. Und was ist nun wieder darunter zu verstehen? Im Prinzip sind uns bis heute drei Möglichkeiten für die Erzeugung von Gravitationswellen bekannt. Aber ehe ich die Entstehung von diesen Wellen erkläre, möchte ich zuerst einmal auf so eine Gravitationswelle, die wir auch mit dem Wort 'Schwerkraftwelle' benennen können, zu sprechen kommen. So wie ein erwärmter Körper elektromagnetische Wellen aussendet, so sendet ein rotierender Körper solche Gravitationswellen aus. Die elektromagnetischen Wellen empfinden wir innerhalb eines bestimmten Frequenzbereiches als Licht. Es fängt bei Rot an und endet für unsere Augen bei Violett. Wir wissen, daß die Wellen aber auch langsamer als das rote Licht schwingen können. Dann nennen wir es Infrarot, bzw. diese Strahlung wird auch Wärmestrahlung genannt. Wenn die Wellen noch viel langsamer schwingen, dann sind es Radiowellen. Schwingen sie dagegen viel schneller als das violette Licht, so sprechen wir von Ultraviolett oder der UV-Strahlung. Bei noch schnellerer Schwingung kommen wir über weiche und harte Röntgenstrahlen bis zur sog. Höhenstrahlung. Die einzigen Wahrnehmungsorgane für diese Wellen sind unsere Augen für das Licht und unsere Haut für die Wärme-Strahlung. Wir alle wissen, daß ein Körper, wie beispielsweise unser Erdmond, eine gewisse Anziehungskraft - Gravitation genannt - auf unsere Erde ausübt. Wir alle kennen das Phänomen von Ebbe und Flut, welche zweimal täglich auf unserem Erdball stattfindet. Hier haben wir die Gravitationskraft des Mondes vor uns. Leider hat dieses Ereignis noch nichts mit den geheimnisvollen Gravitationswellen zu tun. Und nun wollen / müssen wir unsere Vorstellungskraft ein wenig strapazieren. Wir stellen uns vor, daß unser Mond, der uns immer dieselbe Seite zuwendet, 1.sehr schnell rotieren würde und 2.die Form eines amerikanischen Footballs hätte. Er soll in unserem Gedankenexperiment etwa 1000mal pro Sekunde rotieren und er soll außerdem um eine Achse rotieren, die nicht durch die Spitzen, also den Nord- und Südpol geht, sondern die durch den Äquator geht. Gleichgültig, ob uns dieser Mond die breite Seite mit dem Äquator in der Mitte oder die schmale Seite mit einer Spitze zuwendet, er wiegt immer das gleiche. ABER... die Fläche, die er uns zuwendet, ist zuerst groß und nach einer viertel Drehung klein. Die Gravitation pro Flächeneinheit ist damit zuerst klein und danach groß. Da dieser Körper bei einer Umdrehung je zweimal eine hohe und eine niedrigere Gravitation pro Flächeneinheit abstrahlt, also viermal wechselt, nennen wir solche abgestrahlten Wellen 'Vierpolwellen'. Und dieses stetige schnelle Wechseln der Schwerkraft nennen wir Gravitationswellen. Um es noch einmal klar zu sagen: Nicht die Anziehungskraft eines Körpers ist eine Gravitationswelle, sondern die leichte Schwankung dieser Gravitation in Wellenform ist die Gravitationswelle! Nun tut uns unser Erdmond leider- oder besser gesagt: glücklicherweise! - diese beiden Gefallen nicht. Weder rotiert er, noch ist er ein überdimensionaler Football. Woher kommen diese ominösen Gravitationswellen nun eigentlich? Da gibt es drei - uns heute bekannte - Quellen: 1.Zwei Sonnen oder zwei Neutronensterne oder auch zwei Schwarze Löcher umkreisen einander als Doppelsternsystem. 2.Ein riesiges Schwarzes Loch - im Zentrum unser Galaxis vermuten die Kosmologen ein solches von etwa 10.000.000 Sonnenmassen Mächtigkeit - ist durch seine schnelle Rotation dermaßen deformiert, daß es wie solch ein amerikanischer Football aussieht und damit die vorhin beschriebenen Wellen abstrahlen kann. Hinzu kommt ein Effekt, den wir Hawking-Strahlung nennen, den ich aber an dieser Stelle nicht näher erläutern möchte. Hier wird ebenfalls sehr viel Energie abgestrahlt. 3.Was, wie im ersten Falle, für zwei Sonnen gilt, gilt selbstverständlich auch für den Fall, daß Planeten ihre Sonne umkreisen. In diesem Falle wird zwar sehr wenig Energie abgestrahlt, aber die Planeten unseres Sonnensystems stehen uns milliardenmal näher als die strahlenden Doppelsterne. Wenn wir bedenken, daß unsere Forschungssonden von den äußeren Planeten uns Informationen mit milliardstel Watt zukommen lassen und wir diese deutlich entziffern können, dann sind 50 Watt eine relativ starke Leistung. Leider muß ich Sie jetzt mit diesen Gravitationswellen noch ein bißchen ärgern. ...
dieser Artikel wird im Hamburger Heft 1/2000 fortgesetzt.
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